Homeoffice #4 – Mitarbeitende im Homeoffice arbeiten übrigens…!

«Aber wenn ich nicht alle meine Mitarbeitenden im Büro sehe, weiss ich ja gar nicht, ob sie arbeiten.»

Dieser seltsame Satz ist in letzter Zeit zum Glück deutlich seltener geworden, aber man liest ihn gelegentlich immer noch. Und das im 21. Jahrhundert. Glauben diejenigen, die solche Sätze sagen, denn wirklich, dass ihre Mitarbeitenden, die sagen wir mal von 8-17 Uhr im Büro sind, unablässig von 8-17 Uhr arbeiten? Und wollen sie das denn auch wirklich?

Diverse Studien belegen, dass Menschen sich ungefähr 45 min. lang konzentrieren können, spätestens nach einer Stunde fällt ihre Leistung rapide ab. In virtuellen Meetings (ich komme in einem späteren Beitrag dazu) dürfte die Aufmerksamkeitsspanne noch kleiner sein – aktuelle Studien gehen davon aus, dass v.a. Videokonferenzen äusserst anstrengend sind, wobei die Gründe vielschichtig sind (sog. «Zoom-Fatigue). Pausen können dem gut abhelfen. Wenn Sie also ab und zu mal wieder einen Kaffee holen gehen oder eine Rauchpause machen wollen – bitte gerne! Natürlich gehen auch ein paar Dehnübungen oder ein Spaziergang um den Block – vielleicht auch ein kurzer Schwatz mit dem Kollegen.

Für Digitale darf dann auch mal ein Online-Zeitungs-Beitrag drinliegen, oder ein Facebook-Besuch, pardon: Twitter, Instagram oder TikTok. Gehen Sie nicht gleich davon aus, dass jemand seine Arbeit nicht ernst nimmt, bloss weil sie ab und zu mal auf Twitter surft. Oder verbieten Sie etwa Rauchpausen und Toilettengänge auch?

«Aber wie weiss ich dann, ob sie pünktlich zur Arbeit erscheint?»

Öhm… echt jetzt? Wenn sie eine Sitzung hat, dann werden das die Sitzungsteilnehmenden schneller feststellen, als ihr lieb ist. Und wenn sie Telefondienst hat, dann sagen Ihnen das Ihre Kunden und Sie werden ein ernstes Wort mit ihr reden müssen. Und sonst gibt es wohl nur wenige Gründe, warum «pünktliches» Arbeiten im Homeoffice irgendeine Relevanz hat. Sie wollen Resultate sehen. Dann lassen Sie sich diese zeigen und beurteilen Sie diese. Aber beurteilen Sie nicht (oder nur selten), wann sie erstellt werden.

Ich kenne jemanden, der widmet den ersten Teil des Vormittags mehrheitlich seiner Familie. Er bereitet das Frühstück vor, weckt die Kinder, isst zusammen mit der Familie und bringt die Kinder danach zur Schule. Sein Arbeitstag fängt zuhause üblicherweise etwa um 9 Uhr an, wenn er ins Büro kommen muss, kommen noch zwei Stunden für Anfahrt und allerlei anderes dazu. Sein Arbeitstag zuhause dauert dann auch regelmässig bis abends um 20 Uhr. Oder er schiebt dann noch eine Session von 22-24 Uhr ein, wenn die Familie schon zu Bett gegangen ist. Solange die Resultate stimmen und er die Zeit mit der Familie am Morgen braucht, passt das für alle.

Erliegen Sie nicht dem Irrtum, dass Sie die Arbeit ihrer Mitarbeitenden kontrollieren können, bloss weil Sie ihnen von hinten im Vorbeilaufen auf den Bildschirm schauen können. Das ist erstens eine Situation, die für die meisten Mitarbeitenden eher unangenehm ist. Mir geht es auch so. Ich mag es ganz und gar nicht, wenn ich am Arbeiten bin und man mir über den Rücken auf den Bildschirm schaut und liest, wie ich mich grad mit einer E-Mail abmühe. Und zweitens sagt der Blick auf den Bildschirm nichts über die Arbeitsresultate aus, nur darüber, was die Person grad in der Sekunde auf dem Bildschirm hat. Was aber zählt, sind die Resultate.

Fazit zum Mitnehmen:

  • Ihre Kollegen und Angestellten arbeiten im Homeoffice üblicherweise genauso wie im Büro – manche sogar deutlich mehr.

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