Übersicht: Dieses Online-Verhalten hat Schweizer Arbeitgeber zur Kündigung bewogen

von Nils Güggi

Alles, was im analogen Leben zur Entlassung berechtigt, rechtfertigt auch im digitalen Leben die Kündigung des Arbeitsvertrags. Wer also seinen Chef beschimpft, die Arbeitgeberin öffentlich verunglimpft oder wiederholt schlechte Arbeit abliefert, dem darf gekündigt werden, sofern die Entlassung nicht missbräuchlich ist. Dieser Beitrag versucht eine Übersicht von Beispielen zu erstellen, in welchen ein Online-Verhalten eines Arbeitnehmers (z.B. Posting auf Facebook, Blogbeitrag oder Internetnutzung am Arbeitsplatz) den Arbeitgeber dazu bewogen hat, eine Kündigung auszusprechen.

Zu den aufgeführten Beispielen sind keine Gerichtsurteile vorhanden, d.h. eine richterliche Beurteilung der Rechtmässigkeit der Kündigung fehlt jeweils.

Hinweise auf weitere Beispiele nehme ich gerne als Kommentare entgegen und werde den Beitrag entsprechend aktualisieren.

Zu viele Sex-Seiten am Arbeitsplatz (2004)

Der Ressortleiter einer kantonalen Dienststelle besuchte über mehrere Monate täglich 2-3 Stunden am Tag Sex-Seiten. Die Dauer der täglichen Internetnutzung sowie der Verstoss gegen eine Weisung, die den Konsum pornografischer Inhalte verbietet, hatten eine fristlose Kündigung zur Folge.

Quellen:

Facebook-Besuch bei Migräne-Abwesenheit (2009)

Eine Versicherungsangestellte blieb mit einer starken Migräne für einen Tag zu Hause. Gemäss Arbeitgeber hat sie als Krankmeldung angegeben, sie müsse bei Migräne im Dunkeln liegen und könne nicht am Bildschirm arbeiten. Der Arbeitgeber stellte fest, dass die Arbeitnehmerin an besagtem Tag auf Facebook aktiv war. Der Arbeitgeber argumentierte dies widerspreche der Krankmeldung und das Verhalten habe das Vertrauen in die Arbeitnehmerin unwiderruflich zerstört, weshalb sie entlassen wurde.

Quelle:

Lehrerin beleidigt – Lehrstelle bei Gemeinde verloren (2011)

Eine Schülerin machte sich auf Facebook mit einem Posting an ihre 750 Facebook-Freunde über ihre Lehrerin lustig. Die Gemeindeverwaltung, bei der sie künftig eine Lehre hätte machen sollen, kündigte ihr daraufhin den Lehrvertrag. Sie begründete die Auflösung des Lehrvertrags damit, dass die Schülerin als Lernende künftig Zugang zu sensiblen Daten hätte und der Facebook-Eintrag das Vertrauensverhältnis stark beeinträchtigt habe. Dies umso mehr, als das Gespräch mit der Schülerin weitere Fälle hervorgebracht habe.

Quelle:

Als Lehrer Kinderpornos heruntergeladen (2012)

Ein Lehrer hat zwischen Mai und Juli 2010 in 171 Fällen kinderpornografische Dateien gezielt aus dem Internet heruntergeladen und auf seiner Festplatte abgespeichert. Die Staatsanwaltschaft hat ihn mittels Strafbefehls wegen mehrfacher strafbarer Pornografie verurteilt. Die Schulleitung erhielt Akteneinsicht und hat dem Lehrer fristlos gekündigt. Ihm wurde auch die Unterrichtsberechtigung entzogen.

Quellen:

Tweets eines Angestellten beanstandet (2012)

Eine grosse Schweizer Zeitung warf einem Versicherungs-Angestellten vor, dass er sich mit einer Äusserung auf Twitter strafbar gemacht habe. Daraufhin wurde der Angestellte auf der Stelle entlassen. Die Schweizer Zeitung hat mittlerweile gravierende Fehler in der Berichterstattung eingestanden und selbstkritisch zugeben, dass die Berichterstattung zu weit gegangen ist. Insbesondere räumt die Zeitung ein, dass der Protagonist der Geschichte hätte angehört werden müssen und sein Name nicht hätte genannt werden sollen. Der Betroffene hat wegen missbräuchlicher Kündigung eine Klage gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber eingereicht. Das Verfahren ist derzeit noch nicht abgeschlossen.

Quellen:

Identitätsdiebstahl auf Facebook als Journalist (2012)

Ein Journalist recherchierte im Fall des sog. Ice-Tea-Video, in welchem das Sexvideo einer jungen Frau ohne ihr Einverständnis online verbreitet wurde. Der besagte Journalist hat dazu u.a. auf Facebook unter dem Namen der jungen Frau ein Profil angelegt und wollte damit Kontakt zu Beteiligten aufnehmen, um weitere Informationen zu gewinnen. Die Redaktionsleitung erfuhr davon erst als Journalistenkollegen, die ebenfalls in diesem Fall recherchierten, den Identitätsschwindel des Kollegen entdeckten. Sie hat daraufhin das Arbeitsverhältnis mit dem Mitarbeiter aufgelöst.

Quellen:

Als Lehrer im Schulzimmer Erotikbilder konsumiert (2013)

Ein Lehrer konsumierte nach Unterrichtsschluss im Schulzimmer Erotikbilder und wurde dabei von Schülerinnen beobachtet und fotografiert. Strafbarer Konsum konnte ihm nicht nachgewiesen werden. Die Schulpflege kündigte ihm mit der Begründung, dass er die Treuepflicht gegenüber der Schule verletzt habe und dies von einem zugezogenen Rechtsexperten auch so beurteilt worden sei.

Quellen:

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