Homeoffice #1 – Warum ich über «Homeoffice» schreibe

Bis Ende 2019 haben wir in unserer kleinen (Verwaltungs-)Einheit immer regelmässiger Homeoffice praktiziert. Einige Mitarbeitende hatten einen fixen Tag pro Woche Homeoffice, andere unregelmässig, wenn zuhause grad Handwerker kamen oder Arztbesuche anstanden. Ich selber arbeitete schon seit einigen Jahren in einem 90%-Pensum und der Montag war mein 10%-Tag, den ich zur Hälfte mit Arbeiten von zuhause aus (aka «Homeoffice) und zur anderen Hälfte mit der Betreuung meiner beiden schulpflichtigen Kinder verbrachte.

Einige Kolleginnen und Kollegen profitierten periodisch von der Ruhe ausserhalb des Büros, wenn sie etwa Dokumente reviewen mussten. Wieder andere arbeiteten täglich zuerst mal von 7-9 zuhause und kamen danach für den Rest des Tags ins Büro.

Homeoffice war also manchmal ganz praktisch, weil man sich zuhause besser konzentrieren konnte, Handwerker besser einplanen konnte oder es die Kinderbetreuung erleichterte. Und manchmal wollte man sich auch einfach das Pendeln sparen, den Berufsverkehr vermeiden oder hatte grad keine Lust auf die Kollegen im Büro.

Dann kam 2020…

Die ersten Anzeichen waren bald da, dass eine seltsame Krankheit ausgebrochen war, die zwar noch weit weg schien, aber immerhin… Dann kam sie näher und damit auch erste Gedanken an ehemalige Pandemiepläne – Desinfektionsmittel, weniger Reisen, evtl. Arbeiten von zuhause aus. Also pushten wir etwas diejenigen, die noch nie im Homeoffice gearbeitet hatten. Wir waren bereits alle seit längerem mit dem nötigen Equipment, v.a. einem Laptop und VPN-Zugang auf unsere Arbeitsumgebung, ausgestattet. Die Arbeit an sich konnte zudem fast komplett rein digital erledigt werden. Und indem auch die Letzten mal noch von zuhause aus testeten, ob alles funktioniert, organisierten, was noch organisiert werden musste, sich besorgten, was noch fehlte und einfach mal schauten, wie sich das Arbeiten zuhause anfühlt, waren wir recht gut vorbereitet auf den März 2020.

Ab diesem Datum galt (wie für viele) mehr oder weniger ein Jahr lang, dass wir alle im Homeoffice arbeiten sollten (und später dann mit unterschiedlicher Intensität auch weiterhin). Ausnahmen waren möglich, aber selten. Damit alles gut funktionierte, durften wir auch das Rundherum-Equipment wie etwa Kopfhörer, externe Tastatur Bildschirme etc. leihweise nach Hause nehmen.

Zunächst musste man sich daran gewöhnen. Wo arbeitet man nun zuhause? Im Schlafzimmer oder hat man sogar ein eigenes Büro? Tisch, Licht, Ungestörtheit? Und klappt wirklich alles mit dem Zugang via VPN?

Irgendwann haben wir dann festgestellt, dass es wohl länger gehen könnte, wir nicht so schnell wieder standardmässig ins Büro gehen würden. Wir mussten also umdenken. Besprechungen anders andenken. Arbeitsabläufe auf eine rein digitale Kommunikation hin anpassen. Wir lasen uns ein, machten Fehler, korrigierten, machten weitere Fehler, fanden neue Möglichkeiten, neue Funktionen in unseren Systemen bzw. Tools und genossen dabei das neue ungestörte Arbeiten. So ganz ohne Unterbrechungen, zumindest wenn man wollte und wusste, wie man das anstellt.

Mit der Zeit machte sich dann aber das Fehlen des sozialen Austauschs, der Kaffeepause, des gemeinsamen Mittagessens und des spontanen Schwatzes bemerkbar. Also fingen wir an, auch das zu organisieren. Und das funktionierte ganz gut, weil immer mal wieder jemand eine gute Idee hatte und man das dann ausprobierte.

Aus heutiger Optik kann ich sagen, dass uns diese Zeit als Team, aber sicher auch als Gesellschaft in digitaler Hinsicht rasant vorwärts gebracht hat. Nun sollten auch die letzten Zweifler verstanden haben, dass ihre Mitarbeitenden im Homeoffice definitiv arbeiten und nicht einfach rumsitzen und eine «cheffreie» Zeit geniessen – jedenfalls mindestens nicht mehr, als wenn sie im Büro wären.

Es ist nun also an der Zeit zurückzuschauen auf diese intensive Erfahrung mit Homeoffice mit seinen Höhen und Tiefen. Und es ist Zeit sich zu überlegen, was funktioniert hat. Und was nicht. Was die Möglichkeiten sind und die Tools. Und was Argumente für Homeoffice sind. Auch in einer Zukunft ohne Corona – oder vielleicht mit kontrolliertem Corona – oder was dann halt als nächstes kommt…

Es ist auch deutlich geworden, dass diese neue Zeit, die da wohl endgültig angebrochen ist, steigende Anforderungen stellt an die autonomeren digitalen Arbeitskompetenzen und damit schliesslich auch an die digitalen Führungs- oder Organisationskompetenzen, die mit Distanz, Tools und autonomen Mitarbeitenden klar kommen muss.

Ich nehme mir in dieser Blogreihe zum Thema Homeoffice – alle paar Tage, vielleicht einmal die Woche – die Freiheit, die wichtigsten Themen und Argumente in kurzen Texten rauszupicken und zu behandeln. Und ich sage, was für uns funktioniert hat. Vielleicht funktioniert das ja bei Ihnen im Büro – oder eben im Homeoffice – auch. Und Sie nehmen sich die Freiheit, diese Tipps anzuwenden, sie umzudenken, sie anzupassen oder sie zu ignorieren, ganz wie es für Sie stimmt. Diese Freiheit ist wichtig. Und sie ist ein Grundpfeiler dieses neuen Arbeitens.


PS: Schreiben Sie mir Ihr Feedback dazu, sagen Sie, was Sie gut und was sie blöd fanden, was für Sie funktioniert hat und was nicht. Berichten Sie mir von Ihren Erfahrungen. Ich würde mich sehr über Ihre Rückmeldungen freuen. Gleich unten im Kommentarfeld, auf Twitter oder direkt an mich per Mail.

2 Kommentare

  1. Von wegen und Homeoffice und „chef*infreie Zeit“: in meiner Branche (IT Consulting) hat Homeoffice (ziemlich erwartet) dazu geführt, dass Mitarbeitende mehr arbeiten als im Büro: sie arbeiten während der zeit, die sie sonst in den ÖV verbringen und sie sind effizienter, weil weniger Unterbrechungen. Ich und viele andere wollen gar nicht mehr unbedingt ins Büro, weil wir so eine bessere Chance haben, unsere endlose Task Liste abzuarbeiten. Mittlerweile empfinde ich Stress, wenn ich ausnahmsweise doch im Büro bin und andere Personen das Gefühl haben, sie können mich einfach ansprechen und mal eine Viertelstunde ein bisschen plaudern.

    1. Danke für die Inputs. Da kommen einige Themen zur Sprache, die ich in späteren Blogposts noch aufnehmen werde.

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